Private Krankenversicherung (PKV) - Risikozuschlag (RZ) überprüfen, reduzieren & entfernen

Sie sind in der privaten Krankenversicherung versichert und hatten beim Abschluss Ihrer PKV aufgrund der Gesundheitsprüfung einen Risikozuschlag (RZ) erhalten?
Sind bereits mehrere Jahre beschwerde- und behandlungsfrei? Dann haben Sie nun das Recht, Ihren Risikozuschlag ganz oder teilweise zu entfernen.
Mit den Informationen auf dieser Seite, möchte ich Ihnen aufzeigen, wie Sie Ihren Risikozuschlag abermals überprüfen lassen, um den Risikozuschlag zu reduzieren oder sogar gänzlich zu entfernen. Vorab rate ich Ihnen aber, selbst kurz zu prüfen, ob ein "PKV Wechsel" evtl. für Sie sinnvoll sein könnte. Benutzen Sie hierzu den PKV Vergleichsrechner, vielleicht sparen wir uns nicht nur die Prozedur, bei der ich Ihnen fachmännisch gerne zur Seite stehe, sondern auch noch Beitrag.

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Nun aber hier die notwendige Vorgehensweise, die zu einer erneuten Überprüfung Ihres Risikozuschlags führen wird.

Der Erfolg einer RZ Reduzierung oder Entfernung hängt

  • von Ihrem gegenwärtigen Gesundheitszustand ab
  • davon ab, weswegen der Risikozuschlag vereinbart wurde
  • von der Interpretation des Gesetzestextes ab
  • davon ab, wie die einzelnen Versicherer diese Thematik sehen

Der Risikozuschlag in der privaten Krankenversicherung

Bei Ihrer Antragstellung auf privaten Krankenversicherungsschutz, wurde Ihnen eine Reihe von Gesundheitsfragen gestellt. Diese Gesundheits- oder auch Risikoprüfung ist notwendig, damit der Versicherer das erhöhte medizinische Risiko, welches Sie als Person mitbringen, kalkulieren kann. Aufgrund der von Ihnen gemachten Gesundheitsangaben, wurde ein zusätzlicher Beitrag von Ihrem Versicherer erhoben – der Risikozuschlag.
Es kann auch sein, dass Sie einen nachträglich vereinbarten Risikozuschlag bekommen haben, der oftmals erhoben wird, wenn sich bei einer Überprüfung heraus stellt, dass Sie früher wegen einer Diagnose behandelt wurden, es aber versehentlich bei Antragsstellung vergessen hatten.
Krankenversicherer teilen gesundheitliche Erkrankungen in verschiedene Risikograde (RG) ein und die Größe des Risikogrades die Höhe des Risikozuschlages bestimmt.
Ein Risikozuschlag kann sich, je nach Einstufung, auf einen oder mehrere Tarifbausteine auswirken. Das bedeutet, dass auch periphere Tarife wie das Krankentagegeld, alternative Heilmethoden, 1. / 2. Bett / Chefarzt oder das Krankenhaustagegeld und sogar die Pflegeversicherung davon betroffen sein können.

Wichtig:
Die Gesundheitsfragen sind stets vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten, trotz der evtl. drohenden Gefahr eines Risikozuschlages. Falschangaben erwirken eine so genannte "vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung", die, je nach Schwere, Ihren Versicherer den Vertrag anfechten oder sogar ganz zurücktreten lässt und Sie damit ohne Versicherungsschutz sind.   

Risikozuschlag der privaten Krankenversicherung entfernen

Zunächst empfehle ich Ihnen, sich Ihre Antragsunterlagen anzusehen. Dort sollte der Vermerk eines Risikozuschlages zu finden sein und für welche Diagnose(n) ein  Risikozuschlag erhoben wurde. Sollten keine Unterlagen vorhanden sein, dann nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Versicherer auf und bitten um eine schriftliche Auskunft mit Angabe der Diagnose(n), die zum Einschluss des Risikozuschlags führten. Sobald Sie den Grund Ihres Risikozuschlages Wissen, können Sie im Vorfeld bereits abwägen, ob Ihr Vorhaben eine Aussicht auf Erfolg haben kann. Sollten Sie sich noch in Behandlung befinden, dann können Sie sich jede weitere Anstrengung ersparen, denn die Überprüfung wird nur dann den gewünschten Erfolg erzielen, wenn Ihr Arzt Ihnen Beschwerde- und Behandlungsfreiheit attestiert, somit also Ausheilung vorliegt.
Wenn also über einen längeren Zeitraum Beschwerde- und Behandlungsfreiheit vorliegt (1-2 Jahre, je nach Schwere des Risikos) und Sie in keinster Weise medikamentös oder in irgendeiner anderen Form therapiert werden, dann bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen die Ausheilung zu bescheinigen. Für die Erstüberprüfung  des  Risikozuschlags ist dies vollkommen ausreichend. Mitunter kann im Anschluss ein entsprechendes Gutachten von Nöten sein, werden dann aber von Ihrem Versicherer bei Bedarf informiert werden. Sich im Vorfeld gleich ein Gutachten anfertigen zu lassen, ist nicht nötig, da das ärztliche Attest, im ersten Anlauf, meist vollkommen ausreichend ist!
Bitte beachten Sie, dass die anfallenden Kosten für das Attest, als auch für das Gutachten zu Ihren Lasten gehen und Ihr Versicherer diese nicht übernehmen wird.

Erfolgschancen eines "entfernen oder reduzieren" Beurteilen

Da Ihr Versicherer nicht freiwillig auf den Risikozuschlag verzichten wird, wird er Sie darüber in Kenntnis setzen, ob Ihr Unterfangen eine Chance hat oder er dafür ein Gutachten benötigt. Da die Kosten zu Ihren Lasten gehen, sei zunächst die Reaktion Ihres Versicherers zum 1. Schrittes abzuwarten, bevor Sie zum 2. Schritt übergehen.
Der 3. und zugleich letzte Schritt, wäre eine gerichtliche Auseinandersetzung. Auch wenn hier viele Versicherer anderst denken, die Rechtsprechung ist hier anderer Auffassung. Im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) – sowohl in alten, als auch in der neuen Fassung – gibt es einen Paragraphen, der Ihnen das Recht einräumt, dass der Beitrag herabgesetzt wird, wenn die Gefahrenerhöhung, für die ein Mehrbeitrag (Risikozuschlag) erforderlich wurde entfällt.

Der Gesetzestext in der PKV lautete wie folgt:

§ 41a VVG a. F.
(1)    Ist wegen bestimmter, die Gefahr erhöhender Umstände eine höhere Prämie vereinbart, so kann der Versicherungsnehmer, wenn diese Umstände in der Zeit zwischen Stellung und Annahme des Antrags oder nach Abschluss des Vertrags wegfallen oder ihre Bedeutung verlieren, verlangen, dass die Prämie für die künftigen Versicherungsperioden angemessen herabgesetzt wird.
(2)    Das gleiche gilt, wenn die Bemessung der höheren Prämie durch irrtümliche Angaben des Versicherungsnehmers über einen solchen Umstand veranlasst worden ist.

§ 42 VVG a. F.
Auf eine Vereinbarung, durch welche von den Vorschriften der §§ 37 bis 41a zum Nachteil des Versicherungsnehmers abgewichen wird, kann sich der Versicherer nicht berufen.

Im neuen PKV VVG lautet der Gesetzestext so:

§ 41 VVG
Ist wegen bestimmter Gefahr erhöhender Umstände eine höhere Prämie vereinbart und sind diese Umstände nach Antragstellung des Versicherungsnehmers oder nach Vertragsschluss weggefallen oder bedeutungslos geworden, kann der Versicherungsnehmer verlangen, dass die Prämie ab Zugang des Verlangens beim Versicherer angemessen herabgesetzt wird. Dies gilt auch, wenn die Bemessung der höheren Prämie  durch unrichtige, auf einem Irrtum des Versicherungsnehmers beruhende Angaben über einen solchen Umstand veranlasst worden ist.

Zusammenfassung "PKV Risikozuschlag entfernen":

1.Schritt:

•    Vertragsunterlagen in Bezug auf den Risikozuschlag überprüfen
•    Ausheilung vom Arzt oder Heilpraktiker schriftlich bestätigen lassen
•    Ihrem Versicherer die Bestätigung zukommen lassen und Reaktion abwarten

2. Schritt:

•    Bei Aussicht auf Erfolg und die gewünschte Notwendigkeit eines Gutachtens, dieses erstellen lassen und dem Versicherer zukommen lassen

 3. Schritt:

•    Rechtsschutzversicherung auf Vertrags-  und  Sachenrecht  überprüfen
•    Fachanwalt für Versicherungsrecht einschalten und Ansprüche gerichtlich durchsetzen

Prüfen Sie auch, dass Ihre Rechtsschutzversicherung nicht dem gleichen Versicherer angehört, bei dem Sie die private Krankenversicherung haben und den Risikozuschlag anfechten.

 

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