Die Rolle des Geldes verstehen

Die periodischen Krisen des monetären Finanzsystems entstehen nicht durch Ermangelung an Verständnis des Bankwesens und dessen Kreditvergabe, sondern aus dem Unverständnis der Rolle des Geldes in diesem System. In der Zeit der wirtschaftlichen Entwicklung wurde Geld als eine Sache betrachtet, die nicht in Bezug stand zu den Dingen, die es im alltäglichen erleichterte. Da die Deckung des Geldes durch Gold oder Silber vor etlichen Jahren schon aufgehoben wurde, entsteht Geld lediglich durch die Vergabe von Krediten. Heute entsteht alles Geld ausschließlich in Form von Krediten oder Schulden, die an Wirtschaft und Staat vergeben werden, mit der Verbindlichkeit, diese zukünftig zurückzuzahlen.

Die Verbindung des Geldes

Geld ist kein Ding sondern lediglich eine rechtliche Verbindung und Vereinbarung eines Soll- und Ist-Zustandes mit der Verpflichtung, diese in zukunft zu begleichen.

Die Annahme, Geld als Sache zu betrachten resultiert aus einer Zeit, als Goldmünzen oder dergleichen noch als Zahlungsmittel gängig waren. Gold selbst wird heute gern als ältestes und stabilstes Zahlungsmittel verstanden, doch auch diese Annahme stimmt nur teilweise. Es ist nicht zutreffend, anzunehmen, dass der Ursprung des Gelds in Goldmünzen begründet ist und sich Poe a Poe zu einem komplexen Bilanzierungssystem entwickelt hätte. Ein Buchhaltungssystem, gab es bereits vor dem Münzhandel mit Edelmetallen. Die Buchungseinheit Geld (in einen Wert gefasster gezahlter oder geschuldeter Betrag) ist etwa Zweitausend Jahre älter als die Wertanlage Geld und deren einhergehende Betrachtung als Sache. Schon Zivilisationen der Antike, die dieses Buchungs- und Zahlungssystem anwandten, bestanden nicht nur einige Jahrhunderte (im Vergleich zu Zivilisationen die ausschließlich Goldsysteme sich zunutze machten), sondern Jahrtausende. Die bankähnlichen Zahlungssysteme der Antike waren öffentlich oder staatlich organisierte Systeme - die damals auf gleiche Weise betrieben wurden wie heutige öffentliche Leistungen wie z.B. Zollamt, Justiz, Gemeindeämter usw..

Waren wurde einfach eine bestimmte Bedeutung zugeteilt und in diesem System mit anderen Warenwerten lediglich gegeneinander aufgerechnet. Die damalige Einheit hieß Schekel, der keine Münze, sondern ein einheitlich anerkanntes Maß darstellte. Schekel bedeutet Getreide und zeigt den Zusammenhang zu einer bestimmten Menge dieses damals existenziellen Nahrungsmittels auf. Dieses Einheitsgewicht wurde gegen andere Waren verrechnet, wie z.B. dem Vieh und Rohstoffe. Der Kurs oder Preis der wichtigsten Waren war staatlich festgelegt. Preise und Zinssätze wurden unveränderlich in Tabellen festgehalten.

Getreidesilos fungierten zur damaligen Zeit schon als eine Art Bank. Da Getreide aber leicht verderblich war, wurde schließlich Silber als Einheit herangezogen, dass nun die verschiedenen Sachwerte verkörperte. Auf dem Markt konnten verderbliche Waren z.B. in Silber eingetauscht werden, um an einem späteren Zeitpunkt dieses wieder in gegenwärtig benötigte Waren zu tauschen. An dieser Stelle kann auch gut beobachtet und verstanden werden, dass Geld bzw. damals Silber, immer schon als eine Art unverderblicher Speicher der eigenen Arbeitskraft oder erbrachten Leistungen verkörperte und zu einem späteren, frei wählbaren Zeitpunkt, abgerufen werden konnte. Dies war damals natürlich ein relativ einfaches Tauschsystem, jedoch stets mit dem Recht, jederzeit wieder auf benötigte Sachwerte zugreifen zu können. Die weitere Entwicklung des Tauschsystems ging von Silbereinheit zur Kerbholzeinheit bis hin zu den heutigen Papiereinheiten und elektronischen Zähleinheiten.

Die Geburt des Kreditzeitalters

Goldmünzen beinhalteten das Problem, dass sie sich substantiell nicht genügend den Ansprüchen des Handels ausdehnen konnten. Die findige Idee der damaligen Bankiers des Mittelalters war es, eine flexible Geldmenge zu schaffen, die mit dem stetig wachsenden Handel Schritt halten konnte. Sie implementierten dafür den Kredit, den sie dadurch schufen, indem sie den Kunden zeitlich begrenzte Überziehungen ermöglichten. In diesem Banksystem wurde von den Bankiers Papierquittungen ausgestellt, welches die Geburtsstunde der Banknote war. Ein wichtiges gängiges Verhalten der Bankiers war, dass sie mehr Quittungen ausstellten, als es tatsächlich an Gold Ihre Kunden auf Lager gab. Dennoch erfreute sich diese Transaktion großer Beliebtheit und Gebrauch, da Händler nun mit dem Kredit Waren kaufen konnten und in weiten Teilen der Welt damit Handel betrieben. Sie kehrten mit dem Silber- und Golderlösen zurück und beglichen damit die Kreditforderung, sodass nun auch die Bilanz des Kontos wieder ausgeglichen war. Doch daraus wuchs die fälschliche Annahme, Banknoten seien eine Sache bzw. gleich dem Gold. Da die horrend steigende Kreditvergabe mit Banknoten nicht mehr in Gold zeitgleich verfügbar bzw. gedeckt war, ging man notgedrungen davon aus, dass niemals alle Einleger ihre Goldhinterlassenschaft zeitgleich einforderten. Dadurch kamen die Bankhäuser regelmäßig in Bedrängnis, wenn sie sich verrechneten oder eine Mehrzahl der Kunden aus irgendeinem Grund misstrauisch wurden. Banken wurde gestürmt, Bankkonten leer geräumt, das Finanzsystem brach zusammen und zog dadurch auch die Realwirtschaft gleich mit in eine Depression.

Banknoten können zwar heute nicht mehr, wie früher üblich, gegen hinterlegtes Gold eingetauscht werden, dennoch wird Geld als eine Sache betrachtet, dass vorhanden sein muss, bevor überhaupt ein Kredit vergeben werden kann. Banken betreiben Geldschöpfung, indem sie Kredite vergeben, die dem Kreditnehmer als Einlage gutgeschrieben wird und dieser dadurch darüber verfügen kann. Um Auszahlungen tätigen zu können, müssen Banken jedoch auf das Geld zurückgreifen, das Kunden bei ihnen hinterlegt haben. Genügen diese Einlagen nicht, müssen Banken sich am Kapitalmarkt oder von anderen Banken Geld leihen.

Dadurch kommt das Bankensystem seiner ursprünglichen Funktion nicht mehr nach - die Realwirtschaft mit benötige Kredite zu versorgen. Die Banken sind heute in einem System, das genötigt ist, immer mehr Kredite ( Schulden ) zu produzieren.

Banken leihen sich billiges Geld (Zentralbank, Kunden ) und geben es, sofern sie es überhaupt wieder abgeben, als hoch verzinstes Geld wieder heraus. Banken sitzen an den Geldhähnen, können auch kleinen Marktteilnehmern den Kredit verweigern und sie dadurch auch in den Bankrott treiben. Die Großen, die Zugang zu billigen Krediten oder Geld haben, können dann zu geringen Preisen die Vermögenswerte oder Sachwerte, die als Sicherheiten bei den Insolvenzianern hinterlegt waren, günstig erwerben.

Ein weiterer Fehler des heutigen Systems liegt darin, dass das geliehene Geld, mit dem die Bank Kredite absichert, vorzugsweise aus kurzfristigen Kreditlaufzeiten stammt. Bedeutet - sie leihen sich kurzfristig günstiges Geld, um es langfristig und besser verzinst anzulegen oder zu verleihen. Wenn gegenwärtige Geldmittel in langfristige renditereichere Investitionen angelegt werden, trocknet der Geldmarkt langsam aus, da immer neu investiertes Geld langfristig investiert wird. Dann kommen in regelmäßigen, rechnerisch darstellbaren Abständen, die Banken immer wieder in Schwierigkeiten, weil Sie nicht über die nötigen finanziellen Mittel für die Realwirtschaft und Einleger verfügen bzw. die eingeforderten Guthaben nicht bedienen können - man spricht dabei auch von Liquidität. Die Gier nach "Mehr" bindet Geld und trocknet zyklisch die Realwirtschaft aus. Dies geschah 2009, als etliche Bankhäuser zeitgleich über keine, für das Alltagsgeschäft benötigten liquiden Mittel mehr verfügten, dadurch zahlungsunfähig wurden und deshalb die gewöhnlichen Guthabentransaktionen der Realwirtschaft nicht mehr ausführen konnten. Banken gingen dadurch entweder Bankrott oder mussten mit Steuergeldern gestützt werden um ersteres zu verhindern. Dieses mathematisch immer wiederkehrende Finanzbeben erschüttert auch die Realwirtschaft ( Depression ), da die Banken nicht mehr in der Lage sind, ihren ursprünglichen Dienstauftrag nachzukommen, nämlich - Finanzmittel ( Guthaben oder Kredit ) der Realwirtschaft bei Bedarf zur Verfügung zu stellen.

Durch das Stützen der in Schieflage geratenen Banken, wird entweder frisches Geld gedruckt oder eine Giralgeldbuchung von der Zentralbank getätigt, um einen sicheren bankrott zu vermeiden. Das gleiche Verfahren wird auch bei Staatspleiten angewendet und die für uns unerfreulichere Variante ist die" Rettung durch Steuergelder" Aktion, wie in der Vergangenheit oftmals passiert. Jedoch wächst bei solch horrenden Summen, die sprichwörtlich in den Markt gedruckt werden, gleichsam auch die Inflations- oder Deflationsgefahr, je nach Flussrichtung des Geldes.

Das Schneeballsystem "Immobilien"

Die Geldmärkte sind ein großer Teil eines Systems, in dem große Investoren ihr Geld anlegen. Dieses System ermöglicht es den Banken und Kreditinstituten, die  auferlegten "Kapitalmindestreservebestimmungen" bei Bedarf zu umgehen, indem sie bestehende Kredite durch Umbuchung im eigenen Bilanzierungsbuch herausnehmen, bzw. buchungstechnisch neutralisieren. Der Geldmarkt selbst ist hoch flexibel und liquide, wird nicht kontrolliert und wird selten durch Realwerte abgesichert. Buchhalterisch ist er lediglich durch "Verbriefung" gesichert, bedeutet, dass er lediglich durch Wertpapiere abgesichert wird und diese Papiere meist aus dem Hypothekenmarkt stammen. ( Immobiliensachwert in der Bilanz )

Wie im Mittelalter, werden die Einlagen mehrfach verliehen und somit können durch weiterreichen (Verkauf der Sicherheit) von Immobilien, mehrere Investoren Immobilien in ihren Büchern als Sicherheit hinterlegt haben. Der Sachwert Immobilie wird als Sicherheit für weitere Kredite des Investors im Bilanzbuch hinterlegt und damit das Besitzrecht weitergereicht, sodass Immobilienwerte mehrfach hin und her übertragen werden können, ständig den Besitzer wechselt, ohne dass eine Änderung im Grundbuch stattfinden muss. 

Dabei entstehen die selben Schwierigkeiten wie auch schon in der Vergangenheit, als mehr Wert verliehen wurde, als tatsächlich an Wert vorhanden war. Wenn nun der tatsächliche Eigentümer in Zahlungsschwierigkeiten kommt oder dadurch gleichzeitig mehr als ein Investor versucht, das Haus zwangsvollstrecken zu lassen, folgt eine Kettenreaktion. Die Sicherheit der Verbriefung (Immobilie - Sachwert) ist gerade gegen die Wand gefahren, entgegen der gesetzlichen Grundbesitzbestimmungen. Die Banken haben dieses Spiel nicht zwangsläufig in betrügerischer Absicht mitgespielt, sondern waren gezwungen mitzumachen, wenn sie Sachwerte (Immobilien) beschaffen wollten, um eigene Kredite von z.B. der Zentralbank oder einer Geberbank abzusichern. Das System ist so aufgebaut, dass die Banken in Wirklichkeit gar keine Sicherheit für ihre weiteren Kredite schöpfen, ausser bilanztechnisch. Denn es gibt nur eine Immobilie und eine Kreditverpflichtung und dennoch hängt an dieser Sache ein Vielfaches an Summen. In Wirklichkeit wurde die Sache wieder und wieder als Sicherheit für weitere Kredite hinterlegt. Auf dem Kapitalmarkt wurden Hypothekendarlehen verkauft ( Immobilien ) und verhökerten diese mit Zinseszins an Pensionsfonds und Kleinanleger. Dadurch entsteht ein präzises und unüberschaubares Schneeballsystem, das zum Scheitern verurteilt ist. Solche Verbriefungen sind in der Vergangenheit unter dem Namen "toxische Wertpapiere" durch die Medien gegangen.

Da die Sachwertsicherheit des Immobilienmarktes durch das Weiterreichen und Hinterlegen an Wertsicherheit verliert, ist eine Kapitalanlage unter diesen Gesichtspunkten der verborgenen Spekulation abzuwägen.

Viele Lösungen für eine Zukunft

Die Fehler im gegenwärtigen System sind bewusst oder unbewusst stets ein Thema bei Kunden. Auch ist sicher, dass das gesamte System früher oder später zusammenbricht. Dann stellt sich die Frage, womit mag man es ersetzen ? Was sind die nächsten logischen Schritte in der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung ?

Es gibt viele Systeme wie z.B. das Freigeldsystem oder das 1919 praktizierte und sehr erfolgreiche Notgeldsystem im österreichischen Wörgl. Aber egal welches der unzähligen alternativen Finanzsysteme kommen mag, es wird besser sein und eine Übergangslösung bis zur Vollendung wird mit Sicherheit die Rückkehr zum goldgedecken System sein. Doch bis dahin ist es wichtig, sich nicht auf solche unübersichtlichen, gefährlichen Schneeballsysteme einzulassen und sich durch nachhaltige Beratung zu schützen. Nichts tun und hoffen auf baldige Änderung wäre fatal, obwohl Veränderung sicher kommen wird, aber bedenken Sie, dass Ihr gegenwärtig Erspartes, ein Speicher Ihrer Arbeitskraft oder Leistung darstellt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt nach Bedarf abrufen zu können. Es gilt, diesen Wert mit seiner gespeicherten Kaufkraft zu erhalten und wenn Sie sich dabei nicht selbst in der Lage sehen, bin ich Ihnen gerne behilflich.

Gegenwärtig ist Geld lediglich ein Kredit. Wird jedoch der Kredit von einer Bank vergeben die in öffentlichem Besitz ist, sodass die Gewinne wieder an die Gemeinschaft bzw. Realwirtschaft zurück fließen, dann kann ein wirklich funktionierendes, effizientes und nachhaltiges Finanzsystem entstehen.

 

Gerne bin ich auch jederzeit persönlich für Sie da!

Peter Arthur Streitwein © 2012 - Impressum